Das kleine Lexikon der Weinsprache

Weinkenner haben eine eigene internationale Sprache
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08.05.2017

Nicht ins Schwitzen kommen!

Die Sprache der Weinkenner ist ganz leicht

Wir erklären die Weinsprache Fleischig oder würzig? Vielen Gastronomen verschlägt es beim Thema "Wein" die Sprache
Wenn Sommeliers, Weinkritiker und Weininteressierte von „geschmeidigen“ Weinen sprechen oder über einen „Essigstich“ diskutieren, kann längst nicht jeder mitreden. Zu absurd klingt so manche Wortschöpfung und sorgt nicht selten bei erfahrenen Gastronomen und Hoteliers für Stirnrunzeln. Dabei sind die Begriffe gar nicht so schwer: Seit 1990 bedienen sich Sommeliers einer vereinfachten, internationalen Weinsprache, die sich jeder aneignen kann. Wirklich!

Auf der Suche nach dem passenden Wort

Ihr Gast bestellt einen Pinot Noir von Ihrer Getränkekarte! Nur wie das Aroma und den Duft des edlen Tropfens fachmännisch beschreiben? Jetzt bloß nicht in Panik geraten, denn so schwer ist das Vino-Vokabular gar nicht. Auch wenn viele Leute damit eine Art Geheimsprache verbinden, die scheinbar nur Weinkennern vorbehalten ist. Wir haben für Sie einige wichtige Begriffe zusammengetragen, mit denen Sie auch als Nicht-Sommelier Ihren Gästen reinen Wein einschenken können ...

Von nervigen und geschmeidigen Weinen

Blumig: Hoher Gehalt an Duftstoffen, die z. B. an Rosen oder Veilchen erinnern können.

Dicht: Wein, der einen kompakten, festen Geschmack aufweist.

Dünn: Diese Weine besitzen einen wässrigen Charakter. 

Fruchtig: Beeriger, obstiger Geschmack mit Nuancen von exotischen oder heimischen Früchten, insbesondere bei jungen Weinen.   

Geschmeidig: Perfekte Kombination aus Frucht und Säure, das Tannin rückt in den Hintergrund.  

Nervig: Damit sind säurebetonte Weine gemeint.

Leicht: Wein, mit wenig Alkoholgehalt.

Schwer: Höherer Gehalt an Extrakten und Alkohol. 

Toastig: Ausgeprägte Röstaromen, die von den Barrique-Fässern stammen.

Würzig: Wein, der eine deutliche Gewürz-Note aufweist.  

Informieren Sie sich über die wichtigsten Begriffe der Weinsprache Viel Holz: Das Barrique ist ein Eichenfass, in das 225 Liter Wein passen

Wie hieß das gleich nochmal?

Neben den sensorischen Begriffen, die Geruch und Geschmack beschreiben, reiht sich noch allerlei technisches Vokabular in das Lexikon des Weins ein. Schließlich ist die Kunst der Weinherstellung und des Anbaus von wesentlicher Bedeutung. Wörter wie Barrique, Bukett oder Kirchenfenster sollten dem Gastronomen nicht fremd sein, auch wenn er kein Önologe ist. Natürlich beruht unsere Zusammenstellung nicht auf Vollständigkeit, gibt aber dem Wein-Laien einen kurzen Überblick über die wesentlichsten Begriffe rund um das Thema. Wer also noch Platz im Gedächtnis hat, sollte sich unbedingt folgende Begriffe merken. 

Die gängigsten Bezeichnungen

Ausbau: Reifung des Weins in Holzfässern, Edelstahltanks oder anderen Behältnissen für die bessere Trinkreife.

Barrique: Eichenfass, in dem Rot- oder Weißwein ausgebaut wird. In die Fässer passen bis zu 225 Liter, je nach Region und Verwendungszweck kann das Volumen auch bis zu 700 Liter umzufassen.   

Bukett: Während der Reifung entwickelt der Wein ein einzigartiges Aroma. Anhand des Dufts im Glas können Weinkenner auf die Qualität des Tropfens schließen.  

Chaptalisieren: Verfahren, um den Alkoholgehalt des Weins zu erhöhen. Dabei wird der Most mit Zucker versetzt.

Depot: Hierbei handelt es sich um den Bodensatz in der Flasche, welcher sich bildet, wenn die Flasche länger gelagert wird. Bei Rotwein setzen sich in der Regel die Farb- und Gerbstoffe ab, wenn er einige Zeit im Eichenholzfass ausgebaut wurde.  

Durchgegoren: Weine, die während der Gärung kaum noch Restzucker aufweisen, gelten als trockene Weine.

Erziehung: Damit ist der Wuchs des Rebstockes gemeint. Dieser wird vom Winzer gelenkt, wodurch er den Ertrag beeinflussen kann. Welche Reberziehung erfolgt, hängt von der Rebsorte, der Qualität, die erzielt werden soll, sowie vom Klima und der Region ab. 

Essigstich: Eine Weinkrankheit, die durch Essigsäurebakterien entsteht und den Geschmack negativ beeinflussen kann. Zu solch einem Weinfehler kommt es, wenn die Beerenschalen während der Reife durch Wespenfraß oder feucht-kühler Witterung verletzt werden. Rotweine sind übrigens von der Krankheit häufiger betroffen als Weißweine. 

Firne: Ältere Weißweine, die an Frische und somit an Geschmack verloren haben. Dadurch verfärbt sich der Wein dunkel.

Kirchenfenster: So nennen Experten die Schlieren, die sich an der Innenwand des Weinglases bilden. Daran lässt sich die Stärke der Inhaltsstoffe erkennen, z. B. ob der Wein stark alkoholhaltig ist. Je höher der Wert, desto größer sind die Tränen am Glas.

Maische: Die zermahlenen Trauben, aus denen dann der Saft ausgepresst wird. 100 Liter Maische ergeben im Durchschnitt 75 Liter Wein. 

Most: Der aus frischen Weintrauben durch Kelterung gewonnene Traubensaft. Er wird zum Wein vergoren. Ein teilweise vergorener Most ist der Bremser und danach der Federweißer.  

Önologie: Die Wissenschaft vom Wein. 

Schillerwein: Ein Wein, der sowohl aus roten als auch aus weißen Trauben hergestellt wird. Hauptsächlich wird er in Baden-Württemberg und Sachsen angebaut. 

Spumante: Italienische Bezeichnung für Schaumwein. 

Tannin: Pflanzlicher Gerbstoff, der schon vor der Reife in der Traube vorkommt. Tannin ist nur in Rotwein vorhanden, seine Qualität hängt von der reife der Traube ab. Bei einer Gärtemperatur von 32 °C werden Tannine optimal gelöst.

Trester: Wird der Most abgepresst, bleiben Pflanzenrückstände zurück, die man Trester nennt.

Verschlossen: Junger Wein, der noch nicht ausgereift ist und sein Aroma noch entwickeln muss.

Sie suchen noch einen edlen Tropfen, der Ihrer Getränkekarte das I-Tüpfelchen aufsetzt? Unsere fachkundigen Weinberater sind Ihnen bei der Auswahl gerne behilflich! 

Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749–1832, dt. Dichter