Recovery-Check # 1

Hotels und Restaurants öffnen - aber wie?

Wie Wiedereinstiegs-Szenarien aussehen und was sie für unsere Branche bedeuten

Ein konkretes Ausstiegsszenario aus dem strengen Shutdown geschweige denn ein Datum, ab wann mit einer Lockerung zu rechnen ist, sind noch nicht in Sicht. Das Gastgewerbe gerät immer stärker in Existenznot. Von Seiten des DEHOGA werden voraussichtliche Insolvenzquoten von bis zu 30,0 % benannt. Die Forderung nach einer schnellstmöglichen Wiederöffnung der Betriebe verbunden mit einem branchenspezifischen Rettungsfond und der Senkung der Mehrwertsteuer auf 7,0 %, finden laut aktuellen Presseberichten immer stärker Gehör bei den politisch Verantwortlichen.

Hohe Verunsicherung

In Gesprächen mit unseren Kunden wird deutlich: die Unsicherheit bezüglich eines möglichen Wiedereinstiegs-Szenarios wird immer größer. Neben der Frage, wie die verschiedenen Betriebsarten unseres bunten Gewerbes wieder öffnen dürfen, steht vor allem die Ungewissheit im Raum, ab wann sich eine Wiederöffnung wieder lohnt und wie eine Übergangsphase bis zur Erzielung der Vorjahresumsätze organisatorisch und betriebswirtschaftlich sinnvoll gestaltet werden kann.

Erste Hinweise auf den zeitlichen und qualitativen Verlauf bis zu einer Normalisierung zeigt der Recovery-Check # 1 des Kompetenzzentrums Tourismus des Bundes vom 09. April, welcher unter aktiver Einbeziehung des Fachbeirates der Tourismuswirtschaft erstellt wurde und nun in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden soll.

Mögliche Szenarien

Unterteilt nach den vier Phasen Shutdown, Lockerung, Belebung und Normalisierung zeigt der Recovery-Check # 1 in einem optimistischen, realistischen und pessimistischen Szenario auf, wie lange die Phasen andauern und welches Umsatzniveau im Verhältnis zu 2019 in den jeweilige Phasen für die gesamte Tourismusindustrie im Durchschnitt erwartet werden kann:

Phasen Recovery-Check#1 | © Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes 2020 Abbildung "Phasen", Quelle: Recovery-Check # 1 | © Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes 2020
Timeline Recovery-Check#1 | © Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes 2020 Abbildung "Timeline", Quelle: Recovery-Check # 1 | © Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes 2020
Gebuchter touristischer Umsatz Recovery-Check#1 | © Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes 2020 Abbildung "Gebuchter touristischer Umsatz", Quelle: Recovery-Check # 1 | © Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes 2020

Nachdem das optimistische Szenario bereits obsolet ist, müssen für die realistische Einschätzung eines Wiedereinstiegsszenarios das realistische und/oder das pessimistische Szenario herangezogen werden.

Diese prognostizieren in der Lockerungs- und Belebungsphase bis Juni 2021 ein durchschnittliches Umsatzniveau für unsere Branche von 50,0 % und weniger im Verhältnis zum Vorjahresniveau. Daneben erwartet der Recovery-Check # 1 bis über das Jahr 2022 hinaus negative Umsatzauswirkungen. Abzuwarten bleibt, wie sich die aktuellsten Entwicklungen in dem Ende dieser Woche erscheinenden Recovery-Check # 2 ausdrücken (wir werden berichten).

Gezielte Planung erforderlich

Die Szenarien des Recovery-Check # 1 bedürfen natürlich der Betrachtung des Einzelfalles und können nicht pauschal als Maßstab für jeden Betrieb herangezogen werden. Sprich: Gastronomiebetriebe in Stadtteillagen oder in dörflichen Strukturen erholen sich schneller als Gastronomiebetriebe mit bedeutender touristischer bis internationaler Nachfragerelevanz. Ebenso sind Hotel Garnis mit vorwiegend ökonomischer Individualnachfragestruktur anders zu beurteilen als Freizeit- und Veranstaltungshotels.

Für eine konkretere Einschätzung bleibt es abzuwarten, mit welchem Hygienekonzept und mit welchen quantitativen und qualitativen Beschränkungen die gastgewerblichen Betriebe wieder öffnen dürfen und über welchen Zeitraum diese einzuhalten sind.

Fakt ist jedoch:

  1. Die Branchenforderungen nach einem Rettungsfond und der Realisierung von steuerlich optimierten Rahmenbedingungen sind mehr als berechtigt.
  2. Die Gastronomie und Hotellerie muss sich gezielt auf den Wiedereinstieg vorbereiten, um die Phasen der Lockerung und Belebung bestmöglich zu überstehen und um sich gegebenenfalls auf ein nachhaltig geringeres Umsatzvolumen einzustellen.

Für eine gezielte Planung müssen nachfolgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie sehen die Hygienevorschriften in der Lockerungs- und Belebungsphase aus und wie können diese erfüllt werden?
  • Welche Beschränkung hinsichtlich der Abstandsregeln, der Auslastung und der Gruppengrößen müssen berücksichtigt werden?
  • Welche Einschätzung kann hinsichtlich des Reise- und Ausgehverhalten der jeweiligen Kernzielgruppen oder auch der Kern-Motiv- und Lebensstilgruppe in der Lockerungs- und Belebungsphase getroffen werden?
  • Wie kann das Öffnungszeiten- und Angebotskonzept bestmöglich auf die verminderte Nachfrage ausgelegt werden?
  • Wie sieht eine wirtschaftlich orientierte Mitarbeitereinsatzplanung von der Lockerungsphase bis zur Normalisierung aus?
  • Welche Pacht- und Kapitaldienstfähigkeit kann in den einzelnen Phasen erzielt werden?
  • Wie sieht der zusätzliche Liquiditätsbedarf bis zur Normalisierung aus und wie kann dieser – unter Ausschöpfung (weiterer) öffentlicher Finanzierungshilfen - finanziert werden?

Und hierausableitend auch die grundsätzliche Frage:

  • Ab wann lohnt sich eine Wiedereröffnung des Betriebes?

Ihr Partner in Krisenzeiten

CHEFS CULINAR steht Ihnen in diesen schweren Zeiten mit Rat und Tat zur Seite und unterstützt Sie aktiv bei der Krisenbewältigung. Das Berater-Team der CHEFS CULINAR Consulting erarbeitet mit Ihnen gemeinsam ein nachhaltig erfolgreiches Fortführungskonzept.