Recovery-Check#2

Perspektive in Sicht?

Wann und unter welchen Bedingungen können Hotellerie und Gastronomie wieder eröffnen?

Wann der Alltag für Gastronomien beginnt, bleibt ungewiss Wann der Alltag für Gastronomien beginnt, bleibt ungewiss

Die Verunsicherung hinsichtlich eines konkreten Starttermins für die Wiedereröffnung der Hotellerie und Gastronomie steigt. Der Termin zur politischen Entscheidung für einen konkreten Termin wurde vom 30. April auf den 06. Mai verschoben. Die politischen Diskussionen gehen von Anfang Mai, über den 15. Mai bis hin zu Pfingsten oder gar erst Ende Juni.

Trotz größter Anstrengungen des DEHOGA sowie vieler anderer Branchenverbände und der Zulieferindustrie bietet die Politik unserer Branche keine verlässliche Perspektive. Konkrete Sicherheits- und Hygienekonzepten für eine erste Lockerungsphase wurden entwickelt und liegen den politischen Entscheidungsträgern auf Bundes- und Landesebene bereits vor. Diese gehen weit über die Konzepte des Einzelhandels hinaus und bieten den Gästen ein hohes Maß an Sicherheit. Doch die Angst vor einem Ischgl-Szenario und der hiermit einhergehenden beschleunigten Ausbreitung der Pandemie scheinen auf politischer Seite zu überwiegen.

Akuter Handlungsbedarf

Dabei ist zwingender Handlungsbedarf gegeben. Laut einer aktuellen Umfrage des DEHOGA aus der vergangenen Woche mit mehr als 8.000 Beteiligten reicht die Liquidität für das Überleben der Coronakrise bei mehr als 30,0 % der Unternehmen nur noch für 20 Tage und weniger. Hierbei ist allen gastgewerblichen Unternehmern bewusst, dass ein Re-Start nur stufenweise möglich ist und sich die negativen Umsatzauswirkungen bis über das Jahr 2021 hinaus anhalten werden.

In unserem aktuellen Podcast „Tisch für Drei“ untermauerte Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, die dramatische Lage von rund 70.000 Hoteliers und Gastronomie, welche akut von einer Insolvenz bedroht sind und forderte zu einem schnellen Handeln auf. Die zeitlich begrenzte Mehrwertsteuersenkung für Speisen sei zwar ein wichtiges psychologisches und ökonomisches richtiges Signal, jedoch lassen sich ohne Umsätze die hierüber möglichen höheren Erträge nicht heben. Zudem sei eine Rückzahlung von Krediten über die Begrenzung bis Juli 2021 nicht möglich, womit der Verband weiterhin für eine dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer kämpfen werde.

Die zentrale Forderung des DEHOGA nach einem branchenspezifischen Rettungsfond wird immer lauter. Wie wichtig ein Rettungsfond für die Branche ist, wird auch über die Fortschreibung des Recovery-Check#2 des Kompetenzzentrums für Tourismus deutlich.
 

Mögliche Szenarien

Unterteilt nach den 4 Phasen Lockdown, Lockerung, Belebung und Normalisierung zeigt der Recovery-Check#2 des Kompetenzzentrums Tourismus des Bundes in einem optimistischen, realistischen und pessimistischen Szenario auf, wie lange die Phasen andauern und welches Umsatzniveau im Verhältnis zu 2019 in den jeweilige Phasen für die gesamte Tourismusindustrie im Durchschnitt erwartet werden kann. Hierbei unterteilt der Recovery-Check#2 in den Binnentourismus und den Internationalen Tourismus.
 

Erwartungsgemäß erholt sich die Binnennachfrage deutlich schneller als die Internationale Nachfrage. Hierbei geht das realistische Szenario bei einer ersten Lockerung ab Ende Mai für den Binnentourismus von rund 50,0 % der Umsätze bis August 2020 (im Verhältnis zum Umsatz 2019) sowie einem Umsatzniveau von 70,0 bis 85,0 % bis Mitte 2021 aus.

Die Internationale Nachfrage wird sich mit einem Umsatz von nur rund 30,0 % bis März 2021 und 50,0 % bis Ende 2021 deutlich langsamer erholen. Hiervon werden insbesondere unsere bisherigen touristischen Hotspots wie München, Hamburg und Berlin sowie weitere Städte und Tourismusdestination mit einem hohen ausländischen Tourismusanteil betroffen sein.

Gezielte Planung erforderlich

Wie bereits in unserem ersten Bericht zum Recovery-Check#1 erläutert, bedürfen die Beurteilung der Szenarien natürlich der Betrachtung des Einzelfalles und können nicht pauschal als Maßstab für jeden Betrieb herangezogen werden. Ein sehr interessanter Aspekt bei der Beurteilung der Szenarien ist es jedoch, dass die gastgewerblichen Unternehmer in der aktuellen Befragung des DEHOGA angaben, dass sie für ein erfolgreiches Hochfahren ihrer Betriebe rund 70,0 % ihres durchschnittlichen Umsatzes benötigen.

Dies würde in der Konsequenz bedeutet, dass viele Betriebe in der ersten Lockerungsphase und teilweise darüber hinaus, Verluste fahren würden und ein zusätzlicher Liquiditätsbedarf die Folge wäre.

Für eine konkretere Einschätzung bleibt es abzuwarten, mit welchem Hygienekonzept und mit welchen quantitativen und qualitativen Beschränkungen die gastgewerblichen Betriebe wieder öffnen dürfen und über welchen Zeitraum diese einzuhalten sind.

Fakt ist jedoch:

1.    Die Branchenforderungen nach einem Rettungsfond und der Realisierung von nachhaltigen steuerlich optimierten Rahmenbedingungen sollte zwingend umgesetzt werden.
2.    Die Gastronomie und Hotellerie muss sich gezielt auf den Wiedereinstieg vorbereiten, um die Phasen der Lockerung und Belebung bestmöglich zu überstehen und um sich gegebenenfalls auf ein nachhaltig geringeres Umsatzvolumen einzustellen.

Für eine gezielte Planung müssen nachfolgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie sehen die Hygienevorschriften in der Lockerungs- und Belebungsphase aus und wie können diese erfüllt werden?
  • Welche Beschränkung hinsichtlich der Abstandsregeln, der Auslastung und der Gruppengrößen müssen berücksichtigt werden?
  • Welche Einschätzung kann hinsichtlich des Reise- und Ausgehverhalten der jeweiligen Kernzielgruppen oder auch der Kern-Motiv- und Lebensstilgruppe in der Lockerungs- und Belebungsphase getroffen werden?
  • Wie kann das Öffnungszeiten- und Angebotskonzept bestmöglich auf die verminderte Nachfrage ausgelegt werden?
  • Wie sieht eine wirtschaftlich orientierte Mitarbeitereinsatzplanung von der Lockerungsphase bis zur Normalisierung aus?
  • Welche Pacht- und Kapitaldienstfähigkeit kann in den einzelnen Phasen erzielt werden?
  • Wie sieht der zusätzliche Liquiditätsbedarf bis zur Normalisierung aus und wie kann dieser – unter Ausschöpfung (weiterer) öffentlicher Finanzierungshilfen – finanziert werden?

Und daraus ableitend auch die grundsätzliche Frage:

  • Ab wann lohnt sich eine Wiedereröffnung des Betriebes?
     

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