Stimmengewirr, Menschenmassen und der Duft von Gewürzen steigt einem in die Nase. Auf den Basaren von Taschkent riecht es schon mittags nach Plov, dem unangefochtenen Nationalgericht Usbekistans.
Die Ursprünge des Gerichts reichen über 2000 Jahre zurück und liegen in der zentralasiatischen Steppe. Legenden besagen, dass schon Alexander der Große (4. Jahrhundert v. Chr.) in Samarkand, dem heutigen Usbekistan, seinen Hunger mit einer Vorform von Plov gestillt hat.
Aromatischer Langkornreis, Karotten, Zwiebeln und Lamm- oder Rindfleisch gekocht im Kazan, einem runden, dickwandigen Topf aus Gusseisen: Das sind die unscheinbaren Hauptzutaten der zentralasiatischen Geschmacksbombe. Regional variieren noch Zusätze wie Rosinen oder Kichererbsen.
Zuerst wird das Fleisch im heißen Öl angebraten, anschließend kommen Zwiebeln und Karotten hinzu und alles wird mit Gewürzen abgeschmeckt. Danach gießt man etwas Wasser an und lässt die Mischung köcheln, bevor der gewaschene Reis darauf verteilt wird. Eine ganze Knoblauchknolle wird in die Mitte gesteckt, der Plov bei niedriger Temperatur gedämpft und schließlich vorsichtig vermischt und serviert.
Geschichte, Gegenwart, Gaumenfreude
Doch das Gericht blieb nicht nur in Usbekistan. In Osteuropa und dem Rest Zentralasiens entwickelte sich Plov ab den 1920ern zum traditionellen Zeremonialgericht, einem gern gesehenen (und geschmeckten) sozialen Ritual. Hier erlebte es eine erneute Verbreitungswelle: Nach der Eingliederung Usbekistans und anderer zentralasiatischer Republiken in die Sowjetunion, begann eine Zeit, in der Waren und Menschen sich frei zwischen den Regionen bewegten. Dabei kam es von der Ukraine über Turkmenistan bis hin zu Wladiwostok zum kulinarischen Austausch – und Plov wurde zum Geschmacksbotschafter Zentralasiens. Durch die Verbreitung erhielt das Gericht verschiedene Namensvarianten, darunter auch das bekanntere "Pilaw".
Plov im Alltag
Das Reisgericht ist in Zentralasien ein fester Bestandteil von religiösen Festen, Beerdigungen und Hochzeiten. Aber auch im Alltag, wie zum Beispiel in Betriebskantinen und Schulmensen wurde Plov zum Stammgast. Traditionell wird Plov von Männern in großen Mengen gekocht. Im Mittelpunkt dabei steht der Oshpaz, der Plov-Meister.
Und heute?
Doch Plov war nicht nur zu Zeiten der Seidenstraße, der Sowjetunion oder Alexanders des Großen beliebt, auch heute ist er ein kulinarischer Star: 2016 wurde Plov in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Wer Plov zubereitet, der hat Geschmack, Geschichte und Genuss in einem Topf (oder besser gesagt: Kazan) vereint. Wenn das kein Grund ist, dieses geschichtsträchtige Gericht zu probieren?