Waldorf-Salat

Einfach, aber richtig lecker!

Salat mit Äpfeln und Walnüssen

Klein geschnittene Äpfel – Granny Smith und Golden Delicious zu gleichen Teilen – Sellerie, Mayonnaise und zarte Salatblätter – mehr gehörte nicht in den Waldorf-Salat, den Oscar Tschirky 1893 erfand. Wie es dazu kam? Die Geschichte verkörpert den amerikanischen Traum: Tschirky brachte es quasi „vom Tellerwäscher zum Millionär“ … 

 

Die richtigen Beziehungen

Als Kind armer Schweizer kam Oscar 1883 nach New York und schlug sich erstmal als Kofferträger im Hoffman House am Broadway durch. Wegen seiner Tüchtigkeit wurden ihm dort bald weitere Aufgaben zugewiesen: Er organisierte Partys, arbeitete am Empfang und in der Buchhaltung. 1887 erhielt er eine Anstellung als Kellner im vornehmsten und elegantesten Restaurant jener Zeit, im mondänen „Delmonico‘s“. Die reichsten Familien der Stadt, darunter die Astors, die Vanderbilts, die Rothschilds und die Goulds, waren dort Stammgäste.

Das „Delmonico‘s“ war der bekannteste Caterer der Stadt. Es lieferte Ideen für die Dinner und Feste der „Nobs“, der alten Familien, wie auch der „Swells“, der Neureichen. Ab etwa 1885 siedelten sich diese nämlich in den neuen, prachtvollen Wohnhäusern zwischen der 40. und der 70. Straße an.

Im „Delmonico‘s“ knüpfte Oscar aus der Schweiz Kontakte und gewann einflussreiche Freunde.

„Oscar of the Waldorf“

Die Urenkel des aus Walldorf in Baden stammenden Auswanderers Johann Jakob Astor, William Waldorf Astor und John Jacob Astor IV., bauten das später weltberühmte Waldorf-Hotel – es wurde 1893 eröffnet. Oscar Tschirky machten sie zum Chef des Restaurants und der Küche.

Zur Eröffnung ließ der damals 27-jährige Oscar seine Eigenkreation „Waldorf salad“ servieren. Der wurde schnell zum Klassiker der Salatküche und machte seinen Erfinder weltberühmt. Die Amerikaner nannten ihn liebevoll „Oscar of the Waldorf“.

Das schlichte Originalrezept wurde später mit Zitrone, Walnüssen, saurer oder süßer Sahne verfeinert. In Deutschland ist der Waldorf-Salat eine Komposition aus säuerlichen Äpfeln und roher Knollensellerie, die in Julienne geschnitten, mit gehackten Walnüssen vermengt und mit einer leichten Mayonnaise angemacht werden. Den Salat kann man mit etwas Zitronensaft und/oder Cayenne-Pfeffer abschmecken. 

Seiner Zeit voraus

Mitten in Manhattan, am Schnittpunkt von Fifth Avenue und 33. Straße gelegen, war das „Waldorf“ schnell Inbegriff für amerikanischen Luxus. Es kombinierte amerikanischen Komfort mit europäischer Eleganz. Dass jedes Zimmer über den unglaublichen Luxus eines eigenen Bades verfügte, sprach sich in Windeseile herum. Sogar ein Zimmerservice wurde erstmals angeboten.

Die Gäste strömten in Scharen herbei, sodass ein zweites Hotel, das „Astoria“, 1897 gleich nebenan gebaut wurde. Mit dem „Waldorf“ verband es ein überdachter Korridor, der durch das Zeichen „=“ im neuen Doppelnamen symbolisiert wurde. Wer „Waldorf=Astoria“ mit einfachem Bindestrich schreibt, kennt diese Geschichte leider nicht. 

Ein Küchenchef wird Kochbuch-Autor

Oscar arrangierte damals beinahe täglich opulente Feste und rauschende Bälle. Er kannte Präsidenten, Könige, Prominente, einfach alle, die Rang, Namen und gebündelte Dollarscheine in der Tasche hatten. Und alle kannten ihn. Er war nicht nur ein guter Manager und Menschenkenner, sondern auch ein ausgezeichneter Koch. The Werner Company verlegte 1896 das „Cook Book by Oscar of the Waldorf“ – 907 Seiten war es dick. 

Waldorf Astoria in New York Der Koch "Oscar of the Waldorf" kreierte den berühmten Waldorfsalat

Eine Luxusherberge wie noch nie

1928 hatten die Astors im boomenden New York eine Idee: Sie ließen das inzwischen gut 30 Jahre alte „Waldorf=Astoria” abreißen. Dafür wurde an gleicher Stelle das Empire State Building errichtet. Das neue Waldorf=Astoria entstand an der weit vornehmeren Park Avenue und wurde 1931 eröffnet. An Eleganz und Größe stellte das erste Wolkenkratzer-Hotel, das mit seinen 2.200 Zimmern und Suiten auch heute noch einen ganzen Block zwischen Park Avenue und Lexington Avenue einnimmt, alle in der Alten Welt bestehenden Luxusherbergen weit in den Schatten.

Natürlich wechselte „Oscar of the Waldorf“ ebenfalls zur Park Avenue. Er arbeitete in seiner Position insgesamt 51 Jahre, das heißt bis 1944 – er ging also erst mit 78 Jahren in den Ruhestand. Beförderungen der Astors, z. B. zum Hoteldirektor, lehnte Oscar ab. Er blieb lieber die Institution „Oscar of the Waldorf“. Zur Feier seiner Goldenen Hochzeit im Jahre 1937, 13 Jahre vor seinem Tod, kamen 1.200 Personen zum Gala-Dinner ins „Waldorf=Astoria“.

 

Autor: Richard S. Beerbaum