Caesar-Salat

Von Mexiko in die ganze Welt

Caesarsalat, Hähnchenbrust, Käse

Sie dachten, der Caesar-Salat, international berühmt und aus der amerikanischen Küche bekannt, hat seinen Namen vom römischen Feldherrn Julius Caesar? Oder vom Hotel "Caesar’s Palace" in Las Vegas? Weit gefehlt! Der Ursprung liegt ganz woanders – in der Hand eines in Mexiko lebenden Italieners. 

 

Die goldenen Zwanziger

San Diego, Kalifornien, im Jahre 1924: Die Wochenarbeitszeit wurde von 60 auf 48 Stunden verringert, Freizeit war endlich genauso wichtig wie Arbeit. Die Technologie breitete sich aus, Autos, Radios und Filme waren äußerst populär. Die Stimmung war unbeschwert, der Börsencrash und der Beginn der Weltwirtschaftskrise war noch ein halbes Jahrzehnt entfernt. 

Caesarsalat, blaue Schüssel, Croutons, Dressing Dank des Dressings wurde der Caesarsalat zur Berühmtheit

Im Land, wo Bier und Schnaps fließen …

Wenn nur die Prohibition nicht wäre! Das staatlich angeordnete, generelle Alkoholverbot fürs ganze Land galt seit 1920. Aber die findigen Einwohner San Diegos fanden einen Ausweg aus ihrer "Dürre": Das mexikanische Tijuana war gerade 16 km vom Stadtkern San Diegos entfernt. Und so machten sich die Durstigen zwischen Seattle und San Diego auf nach Tijuana ins benachbarte Mexiko, um zu feiern und zu trinken.

So entstand im Zentrum der mexikanischen Stadt, an der Avenida Revolución, recht schnell die "längste Bar der Welt". Hunderte von Nachtclubs, Restaurants und Spielsalons lockten Tausende Amerikaner an. Unter ihnen auch der italienische Einwanderer Caesar Cardini. Ihm gefiel es in Tijuana so gut, dass er gleich selbst ein kleines Hotel – "Hotel Caesar" – mit dazugehöriger Bar und Restaurant eröffnete.

Zu Beginn nur ein Snack zum Drink

Ein paar Nüsse waren den Trinkern nicht genug

Es war von Anfang an sehr gut besucht, und der Alkohol, der bekanntlich hungrig macht, floss in Strömen. Die obligatorischen Nüsse, die immer zu alkoholischen Getränken gereicht wurden, waren den Zechern bald nicht mehr genug. Sie wollten mehr, und so wurde Cardini auch als Koch tätig. In seiner winzigen Küche schnippelte er knackigen Romana-Salat und Tomaten. Aber nur Salat? Das reichte ihm nicht. Ihm fiel La Mamma’s Aioli ein – und eine Sauce entstand, die später um die ganze Welt ging, die Sauce zum berühmten Caesar-Salat.

Cardini rührte eine gute Portion zerdrückten Knoblauch, gehackte Sardellenfilets, Eigelb, Zitronensaft, Worcestersauce, scharfen Senf und einen Schuss Öl zusammen. Die sämige Masse verdünnte er noch mit Gemüsebrühe, um sie flüssiger zu machen. Nach dem ersten Abschmecken würzte er noch kräftig mit Salz, Pfeffer, Cayenne-Pfeffer und einer Prise Zucker nach – fertig war das Dressing für seinen Salat. Ganz italienisch streute er als Finishing noch gehobelten Parmesan über das Grün.

Was den Salat so berühmt machte

Caesars Gäste waren begeistert und bestellten von nun an häufig "Caesar salad please". Cardinis Spezialität sprach sich schnell herum. Für Käsehasser erfand er sogar eine Variante: Statt Parmesan streute er in Knoblauchöl geröstete Croûtons über seine Komposition. Später kamen immer mehr Variationen hinzu, der Caesar-Salat avancierte zur Hauptspeise und wurde wahlweise mit Hähnchenbrust, Avocados oder Shrimps gereicht.

Was Cardini nicht wissen konnte: Alkohol treibt Elektrolyte, also Salze, aus dem Körper. Wer vor oder zum Alkohol etwas Salziges isst, hat später kaum einen oder sogar gar keinen Kater. Wahrscheinlich hat die Zusammensetzung der Sauce genau das bewirkt – und vielleicht wurde der Caesar-Salat darum so berühmt. 

 

Autor: Richard S. Beerbaum