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CHEFS VALUE Fach-Insights Wirtschaftlichkeit Familienfreundliche Gastronomie

Familienfreundliche Gastronomie

Wie sich ein zeitgemäßes Kinderangebot wirtschaftlich auszahlt

„Da will ich wieder hin!“ Kaum ein Satz wirkt stärker auf Eltern als das begeisterte Urteil ihrer Kinder. Denn oft entscheiden nicht allein die Erwachsenen darüber, welches Restaurant besucht wird, sondern die Frage, ob sich auch die kleinsten Gäste willkommen fühlen. Familien gehören deshalb zu den wichtigsten Zielgruppen der Gastronomie. 

Ein familienfreundliches, ernährungsphysiologisch ausgewogenes Angebot sorgt nicht nur für zufriedenere Gäste, sondern wirkt sich direkt auf Aufenthaltsdauer, Zusatzumsätze, Wiederkehrraten sowie eine bessere Auslastung in sonst schwächeren Zeiten aus. Umso wichtiger ist es, dieses Potenzial gezielt in den Blick zu nehmen: Unsere Expert:innen Martina Walter-Kunkel, Ralph Hilse und Alexander Westhäuser beleuchten die familienfreundliche Gastronomie aus unterschiedlichen Perspektiven und geben praxiserprobte Empfehlungen für den Betriebsalltag.
 

CHEFS CULINAR Kinderkarte im Restaurant

Kinderkarte in Restaurants: Zwischen Nuggets und neuen Erwartungen

Ein ansprechendes Angebot für Kinder ist für Betriebe also überaus relevant. Eine aktuelle Untersuchung der Verbraucherzentralen aus 2025 zeigt jedoch, dass viele Kinderkarten noch immer wenig Abwechslung und zu viele unausgewogene Mahlzeiten bieten. Auf den bundesweit 100 analysierten Kinderspeisekarten dominieren weiterhin die bekannten Klassiker: In 63 % der untersuchten Restaurants gehört Schnitzel zum Standardangebot. Auch Pasta-Gerichte und Geflügel-Nuggets stehen mit 46 % bzw. 41 % in nahezu jedem zweiten Lokal auf der Karte. Zu mehr als jedem dritten der insgesamt 456 analysierten Gerichte wurden Pommes frites als Beilage angeboten. Ergebnisse, die nach einer Verbesserung rufen, denn auch die Gastronomie nimmt direkten Einfluss auf Essgewohnheiten.

Moderne Kinderkarte abwechslungsreich & kreativ gestalten

Allein bei der Gestaltung der Speisekarte können schon kleine Veränderungen eine große Wirkung entfalten“, weiß unsere CHEFS VALUE-Expertin für Ernährung, Martina Walter-Kunkel. Natürlich dürfen die berühmten Chicken Nuggets oder das Schnitzel auf der Karte bleiben. Ausgewogen und abwechslungsreich wird das Angebot jedoch zum Beispiel durch:

  • 2 bis 3 gesunde Gerichte, wie eine bunte Gemüsepfanne mit Hühnchen oder eine Linsenbolognese, neben der klassischen Auswahl,
  • flexibel kombinierbare Komponenten statt starrer Tellergerichte,
  • die Möglichkeit, Kinderportionen aus Erwachsenengerichten abzuwandeln,
  • verdünnte Fruchtsäfte oder Wasser als Alternativen zu ungesunden Softdrinks.

Zudem sollten die vorteilhaften Gerichte auf der Kinderspeisekarte an erster Stelle stehen.

Gesundes Essen für Kinder im Restaurant

Klassischen Kindergerichten können Sie ganz einfach einen gesünderen Twist geben, z.B. durch:

  • kleine Gemüse- oder Salatbeilagen, z.B. Brokkolibaum oder Kichererbsen,
  • Vollkornnudeln, Kartoffelstampf oder hausgemachte Ofenkartoffeln statt ausschließlich Pommes,
  • selbstgemachte Klassiker, wie Schnitzel oder Nuggets mit weniger Panade und Ketchup mit weniger Zucker,
  • Pizza mit Gemüsebelag,
  • vegetarische Alternativen, wie Linsen-Bolognese,
  • Süßspeisen, wie Kartoffelpuffer oder Pfannkuchen, die mit Apfelmark serviert werden,
  • hausgemachte Saucen mit weniger Zucker, die „ganz nebenbei“ püriertes Gemüse, wie Tomaten, Zucchini, Paprika oder Auberginen, enthalten.

„…und schon wird aus dem vermeintlichen Fast Food eine nahrhafte Mahlzeit“, so Martina Walter-Kunkel.

Apropos Saucen: Viele Kinder mögen keine vermischten Speisen. Saucen sollten daher am besten separat gereicht werden, damit die kleinen Gäste sie selbst dosieren können. Dies reduziert Ablehnung und erleichtert das Probieren neuer Komponenten.

Was eine gute Kinderspeisekarte sonst noch ausmacht? "Kreative Namen, die Märchenfiguren oder Superhelden aufgreifen, ansprechende Bilder oder kleine Geschichten machen die Auswahl für die Kinder emotionaler und spielerischer", so Alexander Westhäußer. "Zusätzlich kann die Karte mit kurzen Zitaten von Kindern, wie 'voll cool', 'mega lecker' usw. ergänzt werden. Eine gute Idee ist auch: über einen QR-Code könnte das Kind im Beisein der Eltern sein Feedback abgeben, z.B. über kurze witzige Fragen zum Anklicken", führt der Experte weiter aus. „Zudem ist für die Eltern eine transparente Auflistung aller Komponenten sowie die Ausweisung von Allergenen und Zusatzstoffen wichtig“, ergänzt Martina Walter-Kunkel.

…und wie kalkuliert man Kindergerichte richtig?

„Ein gutes Kinderangebot muss keineswegs kompliziert oder teuer sein“, so Ralph Hilse, „denn der wirtschaftliche Effekt entsteht über den Gesamtumsatz pro Tisch – von mehreren Hauptgerichten über Getränke bis hin zum Dessert“. Entscheidend dafür ist jedoch eine saubere Kalkulation: „Kindergerichte müssen auf Vollkostenbasis berechnet werden, auch wenn sie preislich moderater positioniert sind. Typische Fehler, wie zu niedrige Preise, überdimensionierte Portionen oder der Einsatz spezieller, nur für Kinder vorgehaltener Zutaten, führen schnell zu Margenverlusten und erhöhter Komplexität im Betrieb“, weiß der CHEFS VALUE-Experte für Wirtschaftlichkeit.

CHEFS CULINAR Kinder essen im Restaurant

Operativ ist es daher entscheidend, Kindergerichte eng an die bestehende Küchenlogik anzubinden, um Wareneinsatz, Mitarbeiteraufwand und Fehleranfälligkeit zu reduzieren. Dies gelingt durch:

  • den Einsatz identischer Rohstoffe wie in der regulären Karte,
  • standardisierte Beilagen,
  • einfache Zubereitungsprozesse.

„Gleichzeitig sollte die Auswahl bewusst begrenzt bleiben, um Produktionsabläufe schlank zu halten und Food Waste zu vermeiden“, rät Ralph Hilse. Wichtig ist dabei vor allem Qualität: „Familienfreundlichkeit darf nicht nach ‚Resteküche‘ aussehen. Eltern achten zunehmend auf Frische, Ausgewogenheit und hochwertige Zutaten“.

Familienfreundlicher Service: Kleine Details mit großer Wirkung

Kindgerechter Service beginnt bei der Haltung des Teams. Kinder sind vollwertige Gäste – und genau so sollten sie behandelt werden: respektvoll, freundlich und auf Augenhöhe“, rät Alexander Westhäußer. Oft sind es die kleinen Details, die Familien nachhaltig überzeugen. Hochstühle, Wickelmöglichkeiten oder ausreichend Platz für Kinderwagen gehören dabei heute fast schon zu den Basics.

Wichtig ist laut dem CHEFS VALUE-Experten für Management und Kommunikation daher ebenso:

  • Kleine gesunde Snacks, wie Gemüsesticks, helfen gegen den kleinen Hunger bis zum Essen – denn Kinder haben bekanntlich deutlich weniger Geduld als Erwachsene.
  • Beschäftigungsmöglichkeiten, wie Malsets, Bastelbögen oder kleine Spiele für die ganze Familie, die am Tisch durchgeführt werden können, überbrücken Wartezeiten und sind kostengünstig. Wichtig ist, dass sie direkt, unkompliziert und ohne große Nachfrage verfügbar sind. Tipp für ein digitales Angebot: Eine über einen QR-Code erreichbare Quizduell-App für die ganze Familie spricht digitalaffine Kinder an und fördert das Miteinander – ganz ohne zusätzliche Tisch- oder Raumfläche einzunehmen.
  • Wer ausreichend Platz hat, kann zusätzlich Outdoor-Spiele oder kleine Spielecken integrieren.
  • Wer in seinem Lokal Frühstück anbietet, kann bei kleinen Gästen mit einem Kinderfrühstücks-Buffet punkten. Es sollte für Kinder gut erreichbar sein sowie kleine Teller, buntes Besteck und kindgerechte Deko umfassen.
  • Kleine Überraschungen – etwa ein Stempel auf der Kinderkarte, eine Papierkrone oder ein kurzer Besuch beim Küchenchef – bleiben oft lange im Gedächtnis.
  • Besonders entscheidend bleibt jedoch das Team. Kinder sind vollwertige Gäste – und sollten genauso behandelt werden. Ein freundliches Wort direkt an das Kind, Geduld und ein kleines Augenzwinkern machen häufig mehr Eindruck als aufwendige Marketingmaßnahmen.
Familienessen im Restaurant

Was ist darüber hinaus zu beachten?

Wenn ein Restaurant konsequent auf Kinder eingeht und dies sichtbar zum Teil seines Konzepts macht, entsteht ein klares Profil. „Dies hat einen entscheidenden Einfluss auch auf die Markenwahrnehmung und langfristige Kundenbindung“, so Ralph Hilse. „Ein hochwertig positioniertes Restaurant sollte beispielsweise auch bei Kindergerichten auf Qualität, Frische und Präsentation achten, während ein systemgastronomisches Konzept stärker auf Geschwindigkeit und Standardisierung fokussieren kann." Machen Sie Ihr kinderfreundliches Konzept auch nach außen hin sichtbar, z.B. durch ein Symbol oder einen Hinweis am Eingang Ihrer Gastronomie. So wissen Gäste sofort, dass Kinder herzlich willkommen und nicht nur "geduldet" sind.

Ganz wichtig ist zudem der Fakt: „Familien sind keine homogene Zielgruppe. Ein Kleinkind braucht etwas anderes als ein 10-jähriges Kind. Flexibilität und Beobachtungsgabe sowie das kurze Feedback der Eltern sind hier entscheidend“, betont Alexander Westhäußer.

 

Checkliste für einen familienfreundlichen Service

  • Gibt es saubere und sichere Kinderstühle bzw. Kinderhochstühle?
  • Kommen die Gerichte auf lustigem Kindergeschirr und mit kleinerem Besteck daher?
  • Bieten Sie einen Wickeltisch in einem dazu geeigneten hellen Raum an?
  • Haben Sie Ersatzwindeln und sogar neue Schnuller da?
  • Gibt es einen kleinen Hocker unter dem Waschbecken, damit Kinder sich selbst die Hände waschen können? Perfekt wäre es, wenn Sie sogar Kindertoiletten und Kinderwaschbecken anbieten.
  • Haben Sie Handtuchhalter auf Kinderhöhe?
  • Gibt es genug Platz für Kinderwagen?

Bei allen Maßnahmen für einen familienfreundlichen Service sollte man sich immer vor Augen halten: Die kleinen Gäste von heute können die Stammgäste von morgen sein.

Das Wissen auf einen Blick

  • Familien erwarten heute mehr als Nuggets und eine Packung Buntstifte. Gefragt sind Konzepte, die Ernährung, Service und Erlebnis miteinander verbinden.
  • Die Wirtschaftlichkeit eines kinderfreundlichen Angebots entsteht nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit dem Gesamtkonzept.
  • Neben klassischen Gerichten sollte die Speisekarte verstärkt um abwechslungsreiche, gesundheitsbewusste Angebote ergänzt werden. 
  • Kindergerichte sollten aus Kalkulationsgründen eng an die bestehende Küchenlogik angebunden werden.
  • Entscheidend ist vor allem die Authentizität – Gäste spüren sofort, wenn das Team hinter dem Konzept steht und Kinder wirklich willkommen sind.
  • Wer Familien positive Erlebnisse bietet, baut langfristige Gästebindung auf und positioniert sich klar im Wettbewerb.
Martina Walter-Kunkel
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