Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern
Was der Rechtsanspruch für die Verpflegungsleistung bedeutet
Damit nach der Einschulung keine Betreuungslücke entsteht, wurde 2021 von der Bundesregierung das Gesetz zur ganztägigen Förderung von Kindern im Grundschulalter (Ganztagsförderungsgesetz, kurz: GaFöG) verabschiedet. Diesem zufolge besteht ab dem 1. August 2026 ein stufenweiser Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Kinder im Grundschulalter, beginnend mit der 1. Klasse – und das bundesweit. „Er […] wird in den Folgejahren jeweils um eine Klassenstufe erweitert, sodass er ab dem Schuljahr 2029/2030 für die Klassenstufen eins bis vier gilt“ (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2025). Mit dem damit verbundenen Ausbau der Betreuungsleistungen geht zugleich die Verpflichtung einher, im Rahmen der Ganztagsangebote eine Mittagsverpflegung bereitzustellen.
Verantwortliche stehen damit vor komplexen Weichenstellungen, die organisatorisch, hygienisch, wirtschaftlich und ernährungsphysiologisch fundiert getroffen werden müssen. In diesem ersten Beitrag greifen wir ausgewählte Handlungsfelder auf – von der Konzeption bis zu zentralen Qualitätsanforderungen einer zukunftsfähigen Schulverpflegung.
Wie gelingt die Umsetzung eines Verpflegungskonzepts für die Ganztagsschule?
Eine ausgewogene, gesundheitsfördernde und nachhaltige Verpflegung in Kitas und Schulen ist ein zentraler Bestandteil der Bildungs- und Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen. Sie trägt zur körperlichen Gesundheit, zum Wohlbefinden, zur Lern- und Leistungsfähigkeit sowie zur sozialen Teilhabe bei.
Das bedeutet für...
…die Schulen/Schulträger:
Der erste Schritt zu einem für Kinder attraktiven Speisenangebot sollte mit der Zusammenstellung eines Verpflegungs-Gremiums beginnen. Vertreter des Trägers, der Schule, Pädagogen, Eltern und ggf. ältere Kinder entwickeln ein für die Schule passendes Konzept. (Beispielkonzepte findet man bei den Vernetzungsstellen der Schulverpflegung)
Folgende Punkte gehören mit in das Konzept
- Räumlichkeiten klären: Gibt es eine Mensa, die Platz für alle Kinder und Lehrer hat, oder fehlt diese und das Essen muss in den Klassenräumen oder vielleicht im Flur oder in der Sporthalle eingenommen werden?
- Ist schon eine eigene Küche vorhanden oder müssen komplette Menükomponenten eingekauft und regeneriert werden?
- Ein geeignetes Produktions- und Ausgabesystem ist zu bestimmen (in einem weiteren Fachartikel wird dieses Thema noch unter hygienischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten beleuchtet).
- Personalbeschaffung: Wie viele Kräfte mit welcher fachlichen Eignung sind notwendig?
- Unterrichtsabläufe und Pausenzeiten müssen sich anpassen.
- Verpflegungskonzept mit allen Besonderheiten in dieser Schule (Ernährung, Hygiene, Nachhaltigkeit, Finanzierung und Wirtschaftlichkeit etc.) muss erstellt werden.
- Gibt es schon Erfahrungen mit Essensanbietern?
- Vorlagen für eine Ausschreibung bzw. einen Vertrag für Caterer aufsetzen und abschließen.
- Abfallentsorgung klären etc.
Eine Verpflegung für die Kinder vor Ort hat Einfluss auf das pädagogische Konzept, insbesondere in der Grundschule. Unterrichts- und Pausenzeiten, organisatorische Abläufe und Aufgaben im Rahmen der Essensaufnahme müssen häufig angepasst werden.
…die Eltern:
Für diese ergibt sich durch die neue Regelung ein längeres Betreuungsangebot für ihre Kinder. Das tägliche Angebot einer gesunden Mittagsverpflegung ist politischer Wille. So bedeutet für die Eltern ein Essensangebot in der Schule eine Hilfestellung im eigenen beruflichen Alltag. Für Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten kann die Finanzierung der Mittagsverpflegung im Rahmen eines Antrags zum Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) erfolgen.
…die Kinder:
Für sie ergibt sich beim gemeinsamen Essen die Möglichkeit sich auszutauschen. Je nach Art der Speisenausgabe können die Kinder (in jungen Jahren unter Anleitung) schon früh lernen, selbstbestimmt ihre Essensauswahl zu treffen und das soziale Miteinander zu erleben.
… Caterer und Speisenanbieter:
Für Caterer und Speisenanbieter, die eine Schulverpflegung anbieten möchten, ergibt sich die Chance, zusätzliche Kunden und Umsatzmöglichkeiten zu generieren. Das kann auch ein erweitertes Speisenportfolio für Gastronom:innen sein. In diesem Fall ist es erforderlich, sich auf die spezifische Zielgruppe einzustellen – denn Kinder sind im Rahmen des Bildungsauftrags der Schulen keine kleinen Erwachsenen, sondern benötigen spezielle, auf sie angepasste, gesundheitsförderliche Speisenangebote.
Ernährungsanforderungen an eine kindgerechte Verpflegung in der Grundschule
Welche Anforderungen eine kindgerechte Verpflegung in der Grundschule erfüllen sollte, zeigt sich in Speisenstruktur, Nährstoffzusammensetzung, Nachhaltigkeit und Partizipation:
- „Kindgerechte Speisen“ bedeutet: die Komponenten einer Mahlzeit sind getrennt voneinander zu erkennen, die Stücke sind groß genug, um sie bei Nichtgefallen/Nichtkennen aussortieren zu können. Das heißt: kleine Bällchen statt großer Bratlinge, gerne rohes Gemüse auch als Fingerfood.
- Gesundheitsförderliche Angebote für die 6- bis 10-Jährigen enthalten viel Eiweiß und sind nährstoffreich.
- Ballaststoffe werden in Form von Vollkornprodukten regelmäßig angeboten.
- Getreideprodukte ergänzen das Speisenangebot.
- Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen stehen mindestens 1x pro Woche auf dem Speiseplan.
- Nachhaltigkeit wird durch einen hohen und saisonalen Gemüse- bzw. Salatanteil im Speiseplan unterstützt und ab und zu mit Rohkost und mit Obst ergänzt.
- Fleisch und Fisch werden jeweils nur 1x pro Woche angeboten.
- Partizipation sollte ermöglicht werden, d.h. Kinder können sich regelmäßig mit Wünschen und Anregungen an der Planung der Menüs beteiligen und erleben hiermit Selbstwirksamkeit.
Das Wissen auf einen Blick
- Ab August 2026 gilt bundesweit der stufenweise Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung – inklusive verpflichtender Mittagsverpflegung.
- Schulträger müssen Verpflegung organisatorisch, hygienisch, wirtschaftlich und ernährungsphysiologisch fundiert planen.
- Die Einführung einer Mittagsverpflegung erfordert strukturelle Anpassungen im Schulalltag.
- Für Caterer und Speisenanbieter entstehen hierdurch neue Marktchancen – unter Berücksichtigung der Anforderungen an eine kindgerechte Ernährung.
- Kindgerechte Speisen, ausgewogene Nährstoffe, Nachhaltigkeit und Partizipation sind zentrale Qualitätskriterien.
Expertin für Ernährung
- Fragen zu aktuellen Themen rund um Ernährung haben.
- Ihren Betreib nach den DGE-Qualitätsstandards aufstellen möchten.
- Ihren Betrieb zur Biozertifizierung führen wollen.
- ein passendes Ernährungs- oder Verpflegungskonzept suchen.
- auf einen echten Plant-Based-Profi mit Leidenschaft zählen möchten.
Expertin für Ernährung
- Unterstützung bei der Umsetzung der aktuellen Qualitätsstandards benötigen.
- eine Ansprechpartnerin zur Sozialverpflegung im Bereich Kitas und Schulen suchen.
- sich zu individuellen Bedürfnissen bei Allergien und Nahrungsmittelintoleranzen beraten lassen möchten.
- Ihr vegetarisches und veganes Angebot ausbauen wollen.