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Sanddorn

Sanddorn

Dt.: Sanddorn; engl.: sea buckthorn; frz.: argousier

Klein, aber oho: Sanddorn ist eine echte Vitaminbombe und wird deshalb auch Zitrone des Nordens genannt. Die leuchtende Powerfrucht gibt vielen Gerichten eine ganze besondere Note.

Geschichte

Es wird erzählt, dass schon Dschingis Khan im 12./13. Jahrhundert seinen Kriegern zur Stärkung des Immunsystems Sanddornöl verordnete. Auch aus der Mongolei ist überliefert, dass das Öl der Pflanze zur Heilung verwendet wurde, wenn Mensch oder Tier verletzt waren. Sanddornblätter verfütterte man auch an Pferde – sie ließen ihr Fell besonders schön glänzen.

Im Mittelalter setzte man Sanddorn als Heilpflanze ein, im England des 16. Jahrhunderts versorgte man Seekranke damit und machte aus den Früchten Marmelade. In Deutschland begann man vor allem um 1940 herum, sich für die kleine Frucht besonders zu interessieren: Forscher suchten damals nach Wegen, den Vitaminbedarf der Bevölkerung durch einheimische Pflanzen zu decken. Nach Entdeckung des hohen Vitamin-C-Gehalts des Sanddorns wurde die Pflanze systematisch in den Küstenregionen angebaut. Wohl deshalb ist sie heute dort so weit verbreitet.

Herkunft

Sanddorn stammt ursprünglich aus dem fernen Osten; er wuchs im Himalaja, in Nepal und West- bzw. Ostasien. Durch eiszeitliche Verschiebungen vor 17.000 Jahren hat er sich weiter nach Europa ausgebreitet, heute finden wir ihn vor allem in Nord-, Mittel- und Südeuropa. In Deutschland kommt die dornige Pflanze besonders an den Küstengebieten der Nord- und Ostsee vor, aber auch im Schwarzwald und in den Alpen kann man sie finden.

Saison

Von August bis in den Dezember hinein zeigt sich die Zitrone des Nordens am Strauch. Richtig reif ist sie ab September – dann kann sie geerntet werden. Durch die Dornen und weil die Beeren ziemlich fest an den Zweigen sitzen, ist das allerdings recht schwierig. So wurden andere Methoden entwickelt, um trotzdem an die wertvollen Früchte zu gelangen:

  • Beim Schnitt-Ernteverfahren werden ganze Äste mit Beeren abgeschnitten und diese danach noch einmal in kürzere Einzelstücke zerteilt, sodass sich die Beeren leichter vom Ast abpflücken lassen.
  • Beim Melken werden die reifen Beeren direkt am Strauch ausgequetscht, ihr Saft wird in einem Gefäß aufgefangen – schließlich umgibt die Beere nur eine sehr dünne Fruchthaut.
  • Bei der industriellen Ernte werden die Beeren mit Ästen vom Strauch geschnitten, bei –40 °C schockgefroren und auf einer Rüttelmaschine von den Ästen gelöst.
Familie & Arten

Der Sanddorn gehört zur Ordnung der Rosenartigen aus der Familie der Ölweidengewächse. Er wird auch Dünendorn, Fasanenbeere, Weidendorn, Haffdorn, Rote Schlehe oder Sandbeere genannt, der wissenschaftliche Name ist Hippophae rhamnoides. In Deutschland gibt’s 3 Unterarten:

  • Der Karpaten-Sanddorn kommt in Wäldern und Gebüschen an trockenwarmen Orten vor. Seine Beeren sind eher kugelig geformt.
  • Der Gebirgs-Sanddorn wächst zwischen Mittel- und Hochgebirge.
  • Der Küsten-Sanddorn fühlt sich in den Dünen der Küstenregionen wohl. Diese Art ist besonders dornig.
Merkmale

Das Äußere des sommergrünen Sanddornstrauchs – der übrigens bis zu 6 m hoch werden kann – erinnert an Weiden: Seine länglichen Blätter zeigen sich auf der Oberseite grün und auf der Unterseite weiß-filzig mit dichten Haaren. Die rotbraunen Äste tragen Dornen; diese Tatsache und die Vorliebe der Pflanze für sandige Böden haben ihr wohl zu ihrem Namen verholfen.

Der Sanddorn ist 2-häusig, das heißt, es gibt Sträucher mit männlichen und weiblichen Blüten, die sich zwischen April und Mai zeigen. Männliche Blüten sind gelb, aus den weiblichen, unscheinbareren, gelb-grünen Blüten entwickeln sich die leuchtend orangefarbenen, ovalen Beeren.

Verwendung

Roh schmeckt Sanddorn eher nicht, dazu ist er zu sauer. Das Obst lässt sich aber, gesüßt mit Zucker, Honig oder Ahornsirup, hervorragend zu feinem Gelee oder Marmelade verarbeiten – besonders die Kombination mit Aprikosen, Orangen oder Äpfeln ist ein echtes Highlight!

Sanddorn passt aber auch perfekt zu Lamm, Wild oder Käse. Wer kulinarische Experimente mag, kann aus den Beeren, Kräutern, Chili, Knoblauch und Olivenöl ein besonderes Pesto zubereiten. Sanddorn ist außerdem köstlich als Saft, Kräuter- oder Früchtetee, Bonbon oder Likör. Das Mark der Beeren verfeinert Müsli, Quark oder Joghurt, ist aber auch in Obstsalat, Salatsoßen, Eis oder Gebäck sehr lecker.

Nährwerte

Der Sanddorn ist eine echte Vitamin-C-Bombe: 200 bis 1.300 mg stecken in 100 g Früchten – damit übertreffen sie den Gehalt der Zitrone um ein Vielfaches. Das hat der Beere übrigens auch das Synonym „Zitrone des Nordens“ eingebracht. Sie hat aber noch viel mehr wichtige Inhaltsstoffe zu bieten: Vitamin B, E und K, Carotin, Eiweiß, für Obst ungewöhnlich viel Fett – 7 g/100 g – sowie einen ganzen Strauß Mineralstoffe, wie Kalzium, Magnesium, Mangan und Eisen, machen das Obst supergesund.

Außerdem haben die Beeren das gewisse Etwas – darin steckt nämlich Vitamin B12, das sonst nur in wenigen Nahrungsmitteln, vor allem in Fleisch und Milch, vorkommt. Allerdings hängt die Konzentration des Vitamins davon ab, wo der Sanddornstrauch wächst, denn Vitamin B12 entsteht nur durch die Symbiose des Sanddorns mit speziellen Bakterien im Boden.

Lagerung & Aufbewahrung

Sanddornbeeren halten sich gut im gefrosteten Zustand, deswegen sollten sie nach der Ernte direkt eingefroren oder eben verarbeitet werden. Wenn sie mit Metall in Berührung kommen, oxidieren sie schnell; sie verändern dann Farbe und Geschmack. Frische Beeren können mit Zucker im Verhältnis 1 zu 1 gut konserviert werden.

Wenn sie sorgfältig verarbeitet, möglichst in lichtundurchlässige Flaschen oder Gläser gefüllt, gut verschlossen, kühl und dunkel aufbewahrt werden, verlieren die Zubereitungen mit Sanddorn auch bei längerer Lagerung ihren Vitamingehalt nicht.

Qualität & Einkauf

Die Früchte müssen leuchtend orange sein; sehen sie blass aus, sind sie nicht mehr genießbar. Sanddorn gibt es leider nicht überall, man findet ihn ab und zu auf Wochenmärkten. In ausgewählten Fachhandel wird man öfter fündig, dort gibt’s die Beeren auch schon als Saft oder Marmelade.

Gesundheit & Wirkung

Der Vitamin- und Mineralien-Cocktail der kleinen Beere unterstützt das menschliche Immunsystem besser als jede Vitamin-Pille: 3 Esslöffel Sanddornsaft decken z. B. den täglichen Vitamin-C-Bedarf eines Erwachsenen – vor allem nach Erkältungen macht er also wieder ganz schnell fit.

Die B-Vitamine im Sanddorn sind gut fürs Nervensystem und gegen Migräne; sie regulieren außerdem den Stoffwechsel. Für die fettlöslichen Vitamine A und E liefert Sanddorn praktischerweise das Fett gleich mit, sodass der Körper diese sofort verarbeiten kann.

Das Vitamin B12 in den Früchten unterstützt die normale Blutbildung und die Bildung neuer Zellen, sei es im Blut, an den Schleimhäuten oder im Magen-Darm-Trakt. Es ist übrigens besonders für Veganer und Vegetarier wichtig, die auf tierische Nahrungsmittel verzichten und deswegen häufig unter einem Vitamin-B12-Mangel leiden. Wegen seiner gesunden Inhaltsstoffe sagt man Sanddorn auch nach, dass er bei Frühjahrsmüdigkeit, Verbrennungen, Erfrierungen und Geschwüren hilft und die Wundheilung beschleunigt.