Comeback einer wirtschaftlich unterschätzten Tageszeit
Die Gäste kommen zum Frühstück, Brunch, Mittagessen, Abendessen…und was passiert am Nachmittag?
Die Tische sind sowieso da, das Personal auch und die Kosten laufen weiter, nur ein eindeutiger Anlass für die Gäste fehlt. Dabei ist der Nachmittag in vielen Betrieben atmosphärisch ein schöner Moment: Das Licht wird weicher, das Tempo langsamer, die ersten Feierabende haben schon begonnen. Eigentlich die perfekte Zeit für Genuss. Wirtschaftlich bleibt diese Tageszeit in vielen Betrieben jedoch hinter ihren Möglichkeiten.
Hier kommt ein Format ins Spiel, das lange unterschätzt wurde und gerade eine kleine Renaissance erlebt: High Tea!
Zwischen Lunch und Dinner passiert in vielen Betrieben meist nichts, was man gezielt reservieren würde.
Ein alter Gedanke, neu betrachtet
Die Idee dahinter ist nicht neu, also mit anderen Worten: Bewährt. Im England des 19. Jahrhunderts entstand zwischen Lunch und Dinner eine Lücke, die gefüllt werden wollte. Der allseits beliebte Tee und dazu kleine süße und herzhafte Speisen formten gemeinsam ein Ritual, das nicht nur den Hunger stillte, sondern den Nachmittag strukturierte und Menschen zusammenbrachte.
Der Begriff „High Tea“ wurde übrigens historisch anders verwendet als „Afternoon Tea“, doch im heutigen Sprachgebrauch steht er synonym für das elegante Teeerlebnis mit Häppchen.
Warum High Tea gerade jetzt funktioniert
Man muss kein Trendforscher sein, um zu sehen, was gerade passiert: Gäste gehen seltener aus, aber gezielter. Alkoholfreie Alternativen werden plötzlich ernst genommen. Snacks und Sharing-Konzepte erfreuen sich großer Beliebtheit, ebenso die Erlebnisgastronomie. Der Nachmittag braucht heute also mehr als „wir haben geöffnet“, er braucht eine Idee. High Tea bringt einiges mit, das jetzt gut funktioniert: Er ist leicht genug für zwischendurch, aber hochwertig und besonders genug, um als Erlebnis zu gelten. Er ist teilbar, fotogen und irgendwie sofort verständlich, auch ohne große Erklärung.
Was einen guten High Tea ausmacht
Die Etagere betritt die Bühne: Dreistöckig, geschickt inszeniert, wirkungsvoll und appetitlich. Was früher eine schlichte Kuchenplatte war, wird plötzlich zu einer kleinen Show. Und mit ihr kommt ein Versprechen: Hier passiert mehr als nur Kaffee und Kuchen. High Tea funktioniert über die Auswahl und Inszenierung der Komponenten. Ein paar herzhafte, ein paar süße – der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, entscheidend ist, dass ein Konzept erkennbar bleibt. Und dann ist da natürlich noch der Tee. Lose, ausgewählt, vielleicht sogar erklärt. Spätestens hier merkt man: Das ist kein Kaffeeersatz, das ist ein Format.
Fazit
High Tea ist kein Muss und sicher nicht für jeden Betrieb die Lösung, aber er zeigt ziemlich gut, was dem Nachmittag oft fehlt: Struktur, Anlass und vielleicht ein bisschen Spektakel. Oder einfacher gesagt: Eine Idee. Und manchmal beginnt die tatsächlich ganz unspektakulär. Zum Beispiel mit einer Etagere.