Die Welt nach Corona

4 schnelle Fragen an Ranga Yogeshwar

Ranga Yogeshwar auf dem Symposium
Corona hat unser Leben und Arbeiten nachhaltig verändert, der Digitalisierung einen Boost verpasst und unsere Bedürfnisse als Menschen in neue Bahnen gelenkt. Was daraus resultiert, wird vielfach als „neues Normal“ beschrieben – ein neuer Alltag mit neuen Gesetzmäßigkeiten. Wie der aussieht, hat uns Physiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar erklärt, dessen Ausflug in die Post-Corona-Zeit auch die Besucher auf unserem diesjährigen Symposium begeistert hat.

Das neue Normal

Aktuell wird viel über das „Neue Normal“ nach Corona gesprochen – ein neuer Alltag für uns alle. Was verändert sich denn nach der Krise genau? 

Yogeshwar: Einen Wandel erfahren sicherlich viele unserer Lebensbereiche – besonders massiv wird sich jedoch unsere Arbeitsweise verändern. Wir haben durch Corona gelernt, dass es den klassischen Bürojob mit geregelten Arbeitszeiten zwischen 9 und 17 Uhr so in Zukunft nicht mehr geben wird. Stattdessen erwarten uns verschiedene Mischformen aus Büroarbeit und mobilem Arbeiten. Ein paar Tage arbeiten wir am heimischen Schreibtisch, dann im Büro und an wieder anderen Tagen vielleicht von einem Café, dem Zug oder irgendeinem anderen Ort auf der Welt aus. Unsere Arbeitsweise mag den Hotel- und Gaststättenbetrieb auf den ersten Blick wenig betreffen, hat in Wahrheit jedoch enorme Auswirkungen: Denken wir nur einmal an Business-Lunches, Geschäftsreisen, Hotelaufenthalte und den Kantinenbetrieb – sie alle werden auf die Bedürfnisse der Arbeitenden in diesem veränderten Umfeld reagieren müssen. 

Menschliche Bedürfnisse

Apropos Bedürfnisse: Welche inneren Bedürfnisse der Menschen sind denn durch die Krise stärker in den Vordergrund getreten? 

Yogeshwar: Während der Pandemie haben viele von uns eine Art Sabbatical durchlebt: Wir haben über die Prioritäten in unserem Leben nachgedacht, uns gefragt, was uns wirklich glücklich macht. Und in vielen Dingen sind die Menschen zu dem Schluss gekommen: Es war nicht alles besser vor Corona. So machte es beispielsweise damals schon wenig Sinn, um die halbe Welt zu reisen, nur um anonym in einem Meeting nebeneinander zu sitzen. Da, wo wir den menschlichen Kontakt im Beruflichen jetzt durch virtuelle Zusammenarbeit ersetzen können, verlagert sich das Bedürfnis nach Nähe immer stärker ins Private. Konkret heißt das: Wo früher Geschäftsleute zum Mittagstisch kamen, gilt es heute mehr denn je, attraktive Angebote für das private Zusammensein zu schaffen. 

Vorbereitung auf kommende Krisen

Wie kann ich mich als Unternehmer jetzt vorbereiten, damit mich die Auswirkungen kommender Krisen weniger hart treffen? 

Yogeshwar: Ganz einfach: indem Sie anerkennen, dass das Leben ein stetiger Wandel ist. Corona war für die meisten von uns ein Schock. Wir konnten nicht glauben, dass eine solche Krise auch unsere Generation irgendwann einmal erreicht. Die alte Gewissheit, dass immer alles so bleibt, wie man es gewohnt ist, hat sich durch Corona jedoch plötzlich aufgelöst. So ein Umbruch mag kurzzeitig mit Angst erfüllen, sollte jedoch nicht daran hindern, nach vorne zu sehen. Viele Gastronomen haben genau das getan und sind neue, erfolgreiche Wege gegangen. Was wir jetzt – und mit Blick auf zukünftige Krisen – brauchen, ist die Bereitschaft, Wandel anzuerkennen. Mit dieser Haltung erkennen wir die Chancen von Veränderung frühzeitig – statt später unter ihren Folgen zu leiden.  
 

Blick in die Zukunft

In 50 Jahren wird ganz normal sein, dass…

Automatisierung und Digitalisierung viele Lebensbereiche umgekrempelt haben, aber sich an unserem Menschsein nichts verändert hat. Eltern werden sich genauso um ihre Kinder kümmern. Wir werden noch immer die Nähe zu unseren Mitmenschen suchen. Und hoffentlich werden wir noch etwas weiter an die wirklichen Prioritäten des Lebens herangerückt sein.