Mit Eiscreme auf Erfolgskurs Zwischen süßem Genuss und echtem Mehrwert für Gastro & Care
Eiscreme ist nur ein klassischer Sommerartikel an der Strandbar? Von wegen. Eis hat mit seinem vielseitigen Angebot echtes Potenzial. Es sorgt in der Gastronomie für spontane Zusatzverkäufe, schafft erinnerungsreiche Genussmomente und hat im Care-Bereich sogar funktionalen Mehrwert.
Wir haben mit unserem Fachberater für Eiscreme, Thomas Klewinghaus, über moderne Eis-Konzepte gesprochen. Im Interview verrät er, warum die erfrischend-kühle Süßspeise heute weit mehr ist als ein Dessert, welche Lösungen zu welchen Betrieben passen und wie sich das vielseitige Angebot effizient in den gastronomischen Alltag integrieren lässt.
Herr Klewinghaus, für welche Betriebstypen lohnt sich ein Eisangebot besonders – und welche Rolle spielt dabei klassische Kugelware im Vergleich zu Eis am Stiel?
Eis funktioniert immer dann besonders gut, wenn es zur Situation des Gastes passt. Man kann sich das bildlich vorstellen: In einer Strandbar oder an einem Kiosk entscheidet oft der Moment. Die Sonne scheint, jemand läuft vorbei, sieht die Truhe – und greift spontan zu. Hier ist Eis am Stiel unschlagbar: schnell, unkompliziert, ohne Wartezeit.
Ganz anders im Café oder Restaurant. Dort sitzt der Gast, hat Zeit, isst vielleicht ein Menü. Und dann kommt der Moment, in dem ein Dessert den Abschluss bildet. Hier spielt klassische Kugelware ihre Stärke aus. Sie ist individuell, lässt sich kombinieren, inszenieren und emotional aufladen.
Am Ende geht es also nicht um besser oder schlechter, sondern um den Kontext: Eis am Stiel eignet sich besonders für spontane Kaufentscheidungen und schnellen Genuss unterwegs. Kugelware lädt eher zu bewussten Genussmomenten und längerem Verweilen ein. Wer diese unterschiedlichen Stärken gezielt nutzt, kann mit Eis gezielt Umsatz steuern.
...und welche Bedeutung hat Eis im Care-Bereich?
Im Care-Bereich zeigt Eis eine ganz andere, oft unterschätzte Seite. Hier geht es nicht nur um Genuss, sondern um Funktion. In vielen Einrichtungen gibt es die Situation, dass Bewohner wenig essen. Gerade bei Mangelernährung ist das ein zentrales Thema. Ein Teller bleibt stehen – ein Eis wird dagegen oft angenommen. Einfach, weil es positiv besetzt ist.
Auch bei Dysphagie (Kau- und Schluckstörungen) kann Eis helfen. Die Kälte stimuliert den Schluckreflex, die cremige Konsistenz erleichtert die Aufnahme. Das klingt einfach, hat aber im Alltag große Wirkung.
Und dann gibt es noch die emotionale Ebene: Bei Demenz kann ein vertrauter Geschmack Erinnerungen wecken. Plötzlich entsteht ein Moment von Vertrautheit – und oft auch mehr Bereitschaft zu essen. Eis wird hier zu etwas Größerem: einem Bindeglied zwischen Ernährung, Gefühl und Alltag.
Welche Form von Eis bietet sich an, wenn man Desserts schnell, standardisiert und mit wenig Fachkräften umsetzen möchte oder muss?
In solchen Situationen geht es vor allem um eines: Einfachheit im Ablauf. Vorgefertigte Portionseisprodukte sind hier die beste Lösung. Man öffnet die Truhe, nimmt das Produkt heraus, serviert es – fertig. Keine Unsicherheit bei der Portionierung, kein Schulungsbedarf, keine Zeitverluste. Gerade in der Betriebsgastronomie oder im Care-Bereich ist das ein enormer Vorteil. Prozesse werden planbar und stabil.
Eis am Stiel funktioniert ähnlich, ist aber eher ein Snack als ein klassisches Dessert. Softeis kann ebenfalls interessant sein, weil es frisch wirkt und emotional anspricht – allerdings bringt es Technik, Reinigung und Schulung mit sich. Die wichtigste Erkenntnis ist: Nicht das Produkt entscheidet – sondern wie gut es in den Betriebsablauf passt.
Worauf sollten Betriebe bei Lagerung & Kühlung achten?
Eis ist ein sensibles Produkt. Fehler sieht man oft nicht sofort – aber man schmeckt sie. Die Basis ist eine konstante Temperatur von mindestens –18 °C. Schon kleine Schwankungen führen dazu, dass sich Eiskristalle bilden und die cremige Struktur verloren geht. In der Praxis sind es oft die kleinen Selbstverständlichkeiten, auf die vermehrt geachtet werden sollte. Zum Beispiel, dass
- die Truhe nicht zu lange offengelassen wird,
- sie nicht zu voll beladen ist und
- eine klare Lagerstruktur besteht.
Dazu kommt die Organisation: Wer kümmert sich, wer kontrolliert, wer dokumentiert? Gerade im stressigen Alltag zeigt sich hier, wie wichtig einfache Regeln sind. Denn am Ende entscheidet die Kühlkette darüber, ob das Produkt so beim Gast ankommt, wie es gedacht ist.
Was sind typische Fehler beim Thema Eis?
Der größte Fehler ist überraschend simpel: Eis wird nicht aktiv verkauft – das sollte es aber. In vielen Betrieben ist es einfach „da“. Die Truhe steht irgendwo, das Produkt ist verfügbar, aber es wird nicht inszeniert, nicht empfohlen, nicht sichtbar gemacht. Dabei ist Eis ein klassisches Impulsprodukt. Es lebt davon, gesehen zu werden.
Weitere typische Fehler sind:
- falsches Sortiment für den jeweiligen Betrieb,
- keine klaren Portionsgrößen,
- fehlende Kombinationen, etwa mit Kaffee oder Desserts oder
- zu niedrige Preise trotz hoher Marge.
Das Ergebnis: Eis verkauft sich – aber weit unter seinen Möglichkeiten.
Welche Eis-Trends sind für Profis wirklich relevant?
Die spannendste Entwicklung ist, dass Eis sich vom Saisonprodukt löst. Es wird zunehmend ganzjährig eingesetzt – im Dessert, im Café, sogar im Frühstücksbereich. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen. Pflanzliche Alternativen sind heute kein Extra mehr, sondern oft Standard. Gäste erwarten Auswahl. Ein weiterer Trend ist die Vereinfachung: kleinere Portionen, klar kalkulierbare Produkte, weniger Abhängigkeit von Fachkräften. Und dann ist da noch das Thema Erlebnis. Eis wird stärker inszeniert, bekommt neue Texturen, ungewöhnliche Geschmäcker und eine eigene Handschrift.
Für Profis bedeutet das: Nicht jeder Trend ist relevant. Aber die Richtung ist klar: mehr Flexibilität, mehr Bewusstsein, mehr Konzept.
Wie lässt sich Eis mit gesunder Ernährung verbinden?
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Widerspruch. Aber bei genauerem Hinsehen geht es eher um Anpassung als um Verzicht.
- Ein Ansatz ist die Reduktion von Zucker. Moderne Rezepturen arbeiten mit alternativen Süßungsmitteln oder geringeren Mengen – ohne den Geschmack komplett zu verlieren.
- Ein weiterer Ansatz sind neue Zutaten: Pflanzliche Basen wie Hafer, Mandel oder Kokos eröffnen neue Möglichkeiten und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an.
- Doch der wichtigste Hebel ist oft die Portion. Ein kleines Eis kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein – besonders im Vergleich zu großen, schweren Desserts.
- Im Care-Bereich kommen funktionale Aspekte hinzu, etwa proteinangereicherte Produkte oder angepasste Konsistenzen.
Am Ende gilt: Eis wird nicht „gesund gemacht“ – es wird bewusster eingesetzt.