Vegan

Vegan goes pop!

Topias Rohde über den Erfolg von Vincent Vegan

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„Ihr seid Mainstream!“ Was als Vorwurf gedacht ist, fasst man bei Vincent Vegan nicht so auf – sondern setzt einen Punkt dahinter. Trendsetter Topias Rohde über die vegane Bewegung.

Wer Topias Rohde fragt, warum er seinerzeit Veganer wurde, bekommt eine ehrliche Antwort. „Weil ich damals zuviel Dönerzeug und Alkohol konsumiert habe.“ Ihm sei es ohne Junk Food und mit weniger Bierchen wesentlich besser gegangen, so der Hamburger. Seinem Hang zum schnellen Essen ist Topi zusammen mit Geschäftspartner und Kumpel Christian Kuper trotzdem treu geblieben. Mit ziemlichem Erfolg …

Topias, vom Foodtruck bis zur Filiale in einer Hamburger 1a-Lage liegen bei Vincent Vegan nur wenige Jahre. Hattet Ihr da eine gute Idee zur richtigen Zeit? 

Rückblickend kann man das wohl so sagen. Für uns war es der richtige Schritt – rauf auf die große Bühne, rein in die Profiliga. Wir sind mit unserem ersten festen Standort im Hamburger Food Sky in der Europa-Passage schnell angekommen und gehören dort inzwischen zu den Top-Performern.

Nicht nur vegane Hardliner werfen Euch vor, dem Mainstream in die Lappen gegangen zu sein. Aber dahin wolltet Ihr doch auch, oder? Warum eigentlich?

Ja, aber nicht nur Hardliner haben uns kritisiert. Ich glaube, dass es für viele einfach überraschend war, dass wir mit unserem eher lässigen Foodtruck-Business in einen auf den ersten Blick konservativen Foodcourt einer Shopping Mall gehen. Wir wollten aber gezielt dahin, wo es wehtut. Und unsere Speisen anbieten, wo sonst keiner über eben diese Alternativen nachdenkt. 

Leckere Plant-based-Burger, so wie Ihr sie anbietet, sind im Prinzip ja auch schon im Mainstream angekommen. 

Wir wollten auch von Anfang an mainstreamtaugliches Fastfood machen. Es gab seinerzeit nichts am Markt, was Christian und mich vollends glücklich machte. Dazu bemerkt: Wir sind beide Junkfood-Liebhaber. Um möglichst viele Menschen von einem veganen Konzept zu überzeugen, bedarf es unserer Meinung nach aber eben auch bekannter Produkte. Das macht den Einstieg leichter. Bei einem Chiasamen-Bun mit Grünkern-Dinkel-Patty und ’ner Matcha-Mayonnaise – auch lecker – ist die Hemmschwelle einfach höher.

Ein Teil Eurer Bekanntheit habt Ihr sicherlich Eurer Aktivität in Social Media zu verdanken. Wie wichtig sind die neuen Medien beim Thema vegan?

Sehr wichtig! Man kann als Gastronom relativ einfach viele Menschen erreichen und die Marke bekannt machen. Wir haben wirklich Gäste aus allen Teilen der Welt, die auf Besuch in Hamburg oder Berlin zu uns kommen und erzählen, dass sie uns seit zwei Jahren bei Insta folgen. Aus den USA, Australien, Japan – das ist wirklich der Hammer! Übrigens machen wir das Marketing-Thema und auch Social Media bei uns immer noch komplett inhouse, durch unseren Gründer Christian. Glauben viele nicht, ist aber so. 

Topias Rohde über den veganen Burger-Trend

Um viele Leute zu erreichen, braucht es bekannte Sachen. Das macht den Einstieg leichter.

Topias Rohde
 

#veganisnotatrend steht nicht selten unter Euren Beiträgen …

… ist es ja auch nicht. Vegan ist eine Entwicklung. Wenn vor ein paar Jahren Veganer dem Klischee nach noch als blasse Körnerfresser galten, sind wir heute alles andere als das. Es gibt Spitzensportler, die zeigen, dass Weltklasseleistungen mit veganer Ernährung erzielt werden können. Wir bei Vincent Vegan zeigen, dass wir in zwei Metropolen sehr vernünftig funktionieren können, neben konventionellen Konzepten oft sogar besser performen. Ein Blick in die Supermärkte zeigt es ja auch: Überall findet man vegane Alternativen zu nahezu jedem Produkt – Tendenz stark steigend. Die Menschen machen sich mehr Gedanken über das, was sie konsumieren, und was das für Auswirkungen hat auf unser Leben. Siehe Corona. Ich könnte hier noch lange weiter erzählen, mache aber jetzt einen Punkt. 

Manche Gastro-Kollegen tun sich immer noch schwer mit veganen Angeboten. Wie könnte denn Deiner Meinung nach ein smarter Einstieg aussehen?

Ich sehe die Challenge da vor allem bei Häusern außerhalb der Metropolen. Ohne Vorwurf, da ist die Entwicklung einfach weniger fortgeschritten. Auf dem Land fehlt oftmals noch die Fantasie oder die Erfahrung mit dem Unbekannten. Der einfache Einstieg kann ein Burger sein, eine Linsensuppe türkischer Art, eine Soja-Bolognese. Es gibt wirklich viele Möglichkeiten, bekannte Speisen umzubauen oder mal eine Zutat wie Sahne gegen Sojasahne auszutauschen. Das reicht oft schon, um eine vorher vegetarische Speise in eine vegane Speise zu verwandeln. Nur Mut!

Und was denkst Du, wie es in zehn Jahren aussehen wird? 

Ich glaube, dass es uns allen stärker um Klasse statt Masse gehen wird. Ich wage mal zu behaupten, dass alle Gastronomien bis ins Jahr 2026 ein Drittel der Karte vegan anbieten werden. Das heisst nicht, dass wir dann alle sofort Veganer sind, aber der Konsum von Fleisch wird nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus ethisch-moralischen und Umweltgründen out sein, da bin ich mir sicher.