Der AI-Foodscanner Kaiox im Einsatz bei Aramark
Im Verteilzentrum in Gelsenkirchen kann man bereits einen Blick in die Zukunft werfen…
Vier Augen sehen bekanntlich besser als zwei. Das ist schon mal der erste wichtige Schritt bei jeder Qualitätskontrolle. Aber mit jedem weiteren kann es ja nur noch besser werden. Erst recht, wenn’s ein digitales ist, das nicht nur prüft, ob da auf dem Tablett auch wirklich all das drauf ist, sondern das Gesehene gleich archiviert. Zur Dokumentation und Nachkontrolle. Falls doch mal ’ne Beschwerde zurückkommt und man sich auf Fehlersuche begeben muss …
Gestatten, Kaiox
So heißt dieses zusätzliche Auge, das eigentlich ein AI-Foodscanner ist. Viele dieser Gerätschaften sind in den Großküchen der Republik tatsächlich noch nicht im Einsatz, schließlich gibt es das Angebot von CHEFS VALUE und SBI erst seit diesem Herbst. Doch es werden mehr und mehr.
Zwei davon arbeiten bereits im Aramark Verteilzentrum in Gelsenkirchen. Und genau hier kann man an diesem Tag auch schon mal einen guten Eindruck davon bekommen, wie dieses digitale Auge im Alltag helfen kann … „Wir haben heute einen Krankheitsausfall, den wir kompensieren müssen“, erzählt Umberto Lauri, während uns der District Manager Health & Care zum Einsatzort der Neuanschaffung führt: zu einem Laufband, an dem gerade das Frühstück für mehrere Kunden aus dem Care-Bereich tablettiert wird. Im Sekundentakt werden hier die Tabletts mit Brot, Wurst, Käse, Butter und Marmelade von geschäftigen Händen bestückt. Sieben müssen es in der Minute sein, damit es die Großküche mit ihren zwei Laufbändern am Ende des Tages auf die bestellten 7000 bis 7500 Mahlzeiten bringt.
Diese werden schließlich an die Kundschaft im Umkreis von 35 Kilometern ausgefahren. Am Ende des Bandes wird es derweil bei der Qualitätskontrolle etwas hektisch. „Die Kollegin muss heute nicht nur die Endkontrolle machen, sondern gleichzeitig auch noch beim Bestücken helfen“, klärt Lauri auf. Und genau hier kann Kaiox helfen, dass in solchen Situationen möglichst trotzdem keine Fehler passieren.
Gut integrierbar
In diesen ersten Tagen wird die Kamera allerdings noch ausschließlich zur Dokumentation und Datenerfassung eingesetzt. In Kürze werden dann weitere Funktionen aktiviert: Echtzeit-Kontrollen mit entsprechenden Warnsignalen zum Beispiel, wenn die Tabletts nicht wie in den Daten hinterlegt vollständig bestückt sind. Und klar: Die Anbindung an die eigene Küchensoftware – wie hier in Gelsenkirchen an JOMOsoft, die Software-Lösung von CHEFS VALUE – macht Sinn. Zumal auch noch weitere Daten gesammelt werden. „Produktionszeiten werden automatisch erfasst und relevante Prozessdaten strukturiert dokumentiert“, erklärt Anna Janßen, Marketingleiterin von CHEFS VALUE.
Küchenverantwortliche hätten somit mithilfe eines Dashboards zusätzlich die Möglichkeit, Arbeitsabläufe zu analysieren, Produktionsfortschritte in Echtzeit zu verfolgen, Fehlerquellen zu identifizieren und am Ende gezielt zu optimieren. Eine JOMOsoft-Anbindung sei dabei gut, aber keine Voraussetzung: „Die Hardware lässt sich auch in bestehende Systeme integrieren, ohne den Küchenbetrieb zu unterbrechen“, erläutert Janßen und nennt noch einen weiteren Nutzen: „Im Dezember 2026 wird das Produkthaftungsrecht ausgeweitet: Produzenten haften dann auch für Schäden durch fehlerhafte Produkte bzw. ausgegebene Essen, während Betroffene einen erleichterten Schadensnachweis erhalten“, erklärt sie. Die gespeicherten Kaiox-Daten könnten dann die Dienstleister unterstützen, im Streitfall Vermutungen zu entkräften und die eigene Qualität transparent nachzuweisen, so Janßen.
Hohe Standards
Um Qualität geht es auch bei Aramark in vorderster Linie: „Wir wollen mit Kaiox nicht unsere menschliche Endkontrolle durch KI ersetzen, sondern das Fehlerrisiko auf das absolute Minimum reduzieren“, erklärt Umberto Lauri die Intention zur Anschaffung. Dies sei zum einen wichtig, weil man in einem besonders hochsensiblen Bereich arbeite. Zum anderen ließe sich aber auch wichtige Zeit einsparen. „Wir müssen weniger Beschwerdemanagement betreiben, bei dem wir schlimmstenfalls etwas schnell nachliefern müssen“, ergänzt der District Manager.
Und am Ende hat man nicht nur in der 3000 Quadratmeter großen Zentralküche weniger Stress, sondern auf der anderen Seite auch zufriedenere Kunden. Und genau die will man bei Aramark haben: „Wir wollen für unsere Kundschaft nicht nur der Caterer sein, sondern auch der Kümmerer“, erklärt Umberto Lauri die Unternehmensphilosophie. Und dabei geht es nicht nur um den Care-Bereich, sondern um die gesamte Außer-Haus-Verpflegung des Dienstleisters. Denn neben dem Care-Bereich agiert Aramark auch als Betriebs-, Sport und Event-Caterer oder im Refreshment-Service.
Allein in Deutschland beschäftigt das international agierende Unternehmen rund 6500 Mitarbeiter, die über das ganze Bundesgebiet verteilt im Einsatz sind. „Wir sind dezentral aufgestellt, um möglichst nahe an unseren Kunden zu sein“, so der District Manager. Unter Kümmern verstehen Lauri und Kollegen allerdings nicht nur die Qualitäts- und Versorgungssicherheit (man unterhält dafür auch extra große Lager, um in Krisenzeiten länger lieferfähig zu sein), sondern auch die Optimierung der Abläufe auf beiden Seiten. „Wir geben unseren Kunden zum Beispiel die Möglichkeit, ihre Menüwünsche direkt auf den Stationen und Wohnbereichen über JOMOsoft zu erfassen, binden sie so unmittelbar in unsere eigenen Systeme ein, um dann auch auf diesem Wege möglichst sicher und fehlerfrei unterwegs zu sein.“ Und wenn dann doch mal ein Tablett fehlt? Dafür habe man ja jetzt Kaiox und könne so prüfen, ob die bestellte Mahlzeit tatsächlich nicht bearbeitet wurde. „Oft stellt sich aber raus, dass das Tablett vor Ort einfach nur übersehen wurde“, berichtet Lauri. Dann sei das Problem auch schnell aus der Welt geschafft. „Ein Anruf genügt!“