Management

Nachfolger gesucht!

Wie Sie Ihren Betrieb an die nächste Generation übertragen

Chefkoch bereitet mit seinem Nachfolger Speisen zu Ein guter Nachfolger für den Betrieb ist nicht einfach zu finden

Wenn Inhaber eines Unternehmens in den Ruhestand gehen wollen, gestaltet sich das mitunter schwierig. Über alle Branchen betrachtet, finden 37% der Senior-Unternehmer keinen passenden Nachfolger. In dem vom Klein- und Mittelstand geprägten Gastgewerbe ist die Situation noch dramatischer. Bis zum Jahr 2020 werden deutschlandweit rund 50% der Betriebe zur Nachfolge anstehen. Schon heute kann man davon ausgehen, dass viele Betriebe ohne Nachfolger bleiben werden.

Neben dem zunehmenden Fachkräftemangel und der somit einhergehenden sinkenden Bewerberzahl stellt sich als wichtigstes Hemmnis für die Nachfolger das Thema Finanzierung heraus. Allzu oft unterschätzen Nachfolger aber auch die Anforderungen, die an die Betriebsführung in einem mittelständischen Familienbetrieb gestellt werden. Bewerber aus der Großhotellerie wie Hoteldirektoren, F&B-Manager oder Küchenleiter, die in ihrem bisherigen Betrieb viel Unterstützung durch das Headquarter hatten, sind sich häufig nicht ausreichend darüber im Klaren, dass sie in einem kleineren Betrieb für alle Bereiche – vom Marketing über das Personalwesen bis hin zum Controlling – allein verantwortlich sind.

Sorgfältige Planung erforderlich

Bis zu 5 Jahre sollten für die Übergabe kalkuliert werden

Viele Unternehmer wünschen sich daher einen Nachfolger aus der Familie. Das funktioniert laut aktuellen Umfragen der IHK nicht einmal mehr bei jedem zweiten Betrieb. Daher sollten auch Alternativen wie der Verkauf an einen Mitarbeiter, einen Existenzgründer oder an eine externe Gesellschaft in Betracht gezogen werden.

Selbst wenn Sohn oder Tochter das Unternehmen weiterführen möchte, muss eine Nachfolge sorgfältig vorbereitet sein. Schließlich geht es nicht nur darum, den Schlüssel zu übergeben und dann die Früchte des Lebenswerks zu genießen. Auch Arbeitsplätze, Know-how und das langfristige Überleben des Unternehmens müssen gesichert werden. Das ist ein komplexer Prozess, der vor allem einer frühzeitigen Planung bedarf.

Viele Inhaber verdrängen den Zeitpunkt eines nahenden Ruhestandes. Den mühsam aufgebauten und jahrelang gepflegten Betrieb in die Hände der nächsten Generation zu geben, fällt schließlich nicht leicht. Und so beschäftigen sich Inhaber häufig nicht frühzeitig mit der Betriebsübergabe. Fachleute raten allerdings: Bis zu 5 Jahre sollten für den Prozess der Unternehmensübergabe – von der ersten Planung bis zur tatsächlichen Übertragung – einkalkuliert werden. Denn im Zusammenspiel zwischen Familien, „fremden“ Nachfolgern, Banken, Steuerberatern und juristischen Fragen kann der Gastronom oder Hotelier schnell den Überblick verlieren. Außerdem wird der Betrieb nicht immer ausschließlich aus Altersgründen übergeben. Auch gesundheitliche Probleme können eine Rolle spielen – da ist es gut, wenn sich der Unternehmer rechtzeitig mit dem Thema befasst hat.

Den Nachfolger mit Bedacht auswählen

Schon die Suche nach einem geeigneten Nachfolger beschert manchem Chef schlaflose Nächte: Soll der Betrieb in familiäre Hände fallen? Oder ist es besser, einen „fremden“, aber fachlich besser qualifizierten Nachfolger zu suchen? Es ist davon abzuraten, einen Nachfolger ausschließlich nach Sympathie auszuwählen. Allein die fachliche Qualifikation ist ausschlaggebend, dass ein Betrieb dauerhaft erfolgreich fortgeführt werden kann. 3 Fachleute gehören dabei an den Tisch: ein Steuerberater, ein Jurist und ein fachorientierter Unternehmensberater.

Eine Unternehmensübergabe ist zunächst ein betriebswirtschaftlicher Managementprozess, der mehrere Ergebnisse erzielen muss:

  • Die Realisierung einer angemessenen Altersversorgung des Alteigentümers
  • Den Erhalt des Unternehmens und der davon abhängigen Arbeitsplätze
  • Das Erzielen eines angemessenen Unternehmerlohns beziehungsweise einer angemessenen Rendite für den Nachfolger
Frau und Mann lassen sich für ihre Gastronomie beraten Ein Berater hilft Ihnen dabei, den Übergabeprozess perfekt zu regeln

Unerlässlich: eine kompetente Beratung

Für beide Akteure, den Alteigentümer und den Nachfolger, ist eine kompetente Beratung vor und während des Übergabeprozesses ein wichtiger Erfolgsbaustein, auf den nicht verzichtet werden sollte. Es müssen schließlich viele Aspekte im Rahmen einer Betriebsübergabe optimal gelöst werden:

  • Der Altbesitzer muss den richtigen, zum Unternehmen passenden Nachfolger finden.
  • Der Nachfolger muss das zu ihm passende, richtige Unternehmen finden.
  • Die Nachfolge muss so geplant werden, dass das Unternehmen keinen Schaden nimmt.
  • Die Mitarbeiter müssen – nicht nur aus arbeitsrechtlichen Gründen – so in den Übernahmeprozess involviert werden, dass sie auch mit dem neuen Chef motiviert und vertrauensvoll zusammenarbeiten können.
  • Kunden und Lieferanten müssen bei einer Betriebsübergabe einbezogen werden. Denn oft sind hier jahrelange persönliche Beziehungen entstanden, in die der Nachfolger einsteigen muss.
  • Es muss der richtige Unternehmenswert ermittelt werden, der beiden Partnern gerecht wird.
  • Die Finanzierung der Übernahme muss optimal konzipiert und realisiert werden.
  • Die Übergabe muss steuerlich so optimal wie möglich konzipiert werden.
  • Sowohl Alteigentümer als auch der neue Unternehmer müssen mit den vereinbarten Übernahmekonditionen zufrieden sein und damit wirtschaften können.

Formen der Übergabe

Eine erfolgreiche Unternehmensübergabe kann ein wesentlicher Bestandteil der finanziellen Absicherung im Alter sein. Welche Art der Übergabe bzw. der Kaufpreiszahlung die günstigste für Übergeber und Nachfolger ist, hängt auch von den steuerlichen Auswirkungen ab.

In jedem Fall sollte man daher die verschiedenen Alternativen mit einem Fachmann durchgehen. Insbesondere der Nachfolger sollte darauf achten, dass die Kapitalbelastung nicht zu Lasten wichtiger Zukunftsinvestitionen im Unternehmen geht. Es bieten sich mehrere Möglichkeiten für die Übertragung an:

Vorweggenommene Erbfolgeregelung

Die Übergabe erfolgt an einen Erben mit allen Vermögenswerten und Verbindlichkeit laut Bilanz des Übergebers. Stille Reserven werden nicht aufgedeckt – somit ist diese Variante steuerlich günstiger gegenüber einem Verkauf.

Verkauf gegen Einmalzahlung

Der Übergeber ist unabhängig von der wirtschaftlichen Zukunft des Unternehmens. Die Höhe der zu leistenden Steuern darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden.

Verkauf gegen Kaufpreisraten

Der Nachfolger hat die Möglichkeit, den Kaufpreis Rate um Rate zu bezahlen. Auf die Raten kann ein Zinsanteil hinzugerechnet werden. Bei einem Rückzahlungszeitraum von mindestens 10 Jahren kann ein Inflationsausgleich vereinbart werden, um die Raten an steigende Lebenshaltungskosten anzupassen.

Verkauf von Gesellschaftsanteilen

Handelt es sich bei dem Unternehmen um eine Gesellschaft, so kann der Übergeber den Betrieb in Etappen an den Nachfolger verkaufen. Dieser erhält damit die Chance, die Übernahme schrittweise zu finanzieren.

Verkauf gegen Renten

Renten werden in gleichbleibenden Abständen und gleicher Höhe gezahlt. Zeit- oder Leibrente sind möglich. Die Leibrente erlischt mit dem Tod des Nutznießers; je nach Vereinbarung kann sie aber auch an einen Erben übergehen oder die Restsumme ausgezahlt werden. Zeitrenten sind auf eine bestimmte Dauer angelegt, müssen aber mindestens 10 Jahre geleistet werden.

Verkauf gegen dauernde Last

Die Abbezahlung des Kaufpreises erfolgt in regelmäßigen Abständen über mindestens 10 Jahre. Allerdings orientiert sich die Höhe an der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens und des Nachfolgers.

Übertragung gegen Nießbrauchsvorbehalt

Der sogenannte Nießbrauchsvorbehalt stellt die Versorgung des Übergebers sicher. Das Eigentum geht zwar auf den Nachfolger über, der bisherige Betriebsinhaber – der sogenannte Nießbraucher – erhält aber den Ertrag aus dem übertragenen Vermögen. Die Zahlung orientiert sich dabei an der Ertragskraft des Unternehmens. Der Nachfolger zieht seine Vergütung vor Berechnung des Gewinns ab.

Pacht

Bei der Verpachtung bleibt der Übergeber Eigentümer des Betriebsvermögens und hat für anfallende Investitionen aufzukommen. Die Pachthöhe orientiert sich ebenfalls an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Über unsere Autoren
Klaus Ommer

Klaus Ommer liebt an der Gastronomie ihre Lebendigkeit und unendliche Vielfalt. Der ausgebildete Restaurantfachmann, Koch und staatlich anerkannte Betriebswirt arbeitete mehr als 20 Jahre als Partner in einer renommierten Unternehmensberatung für die Hotellerie und Gastronomie, bevor er die Leitung der Consulting in eben diesem Bereich bei CHEFS CULINAR übernahm.